Quelle: https://fet-ev.eu

Sie ist klein, schmetterlingsförmig, sitzt unterhalb des Kehlkopfes und sofern gesund, spüren wir sie nicht. Die Schilddrüse mag unscheinbar sein, aber sie ist für uns unentbehrlich. Eine Störung der Hormondrüse kann uns ganz schön aus der Balance werfen.

Ob Unterfunktion, Überfunktion, Hashimoto, Morbus Basedow, heiße oder kalte Knoten oder Jodmangelstruma – die Diagnostik ist schon nicht einfach, eine Störung der Schilddrüse lässt sich außerdem nicht leicht behandeln. Die Symptome sind vielfältig und unspezifisch und sie haben eines gemeinsam – sie entwickeln sich meist schleichend. Müdigkeit, Leistungsschwäche, Gewichtsprobleme, Verdauungsbeschwerden, Herzrasen, Kloßgefühl im Hals oder Halsschmerzen, Schlafstörungen, Stimmungstiefs – alle diese Beschwerden weisen auf eine Schilddrüsenproblematik hin, können aber genauso gut andere Hintergründe haben.

Erkrankung der Schilddrüse

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Bei fehlender Vorsorgeuntersuchung oder mangelnder Gründlichkeit wird eine Erkrankung der Schilddrüse nicht selten spät erkannt. Als Basisdiagnostik wird TSH untersucht, das in der Hypophyse (in einem Teil des Gehirns) gebildet wird, die Schilddrüse stimuliert und über das man Rückschlüsse über deren Funktion erlangt. Bei Auffälligkeiten empfiehlt sich die Untersuchung der Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) in freier Form sowie eine Ultrashalluntersuchung der Schilddrüse.

Doch wenn etwas auffällig war und es zur Behandlung mit Hormonen kommt, entspricht der Erfolg nicht immer den Erwartungen. Vor allem das Körpergewicht will häufig nicht wieder runter gehen. Da die Schilddrüsenhormone großen Einfluss auf unseren Grundumsatz haben, kommt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion leicht zu einer Gewichtszunahme, die dann aber leider trotz Behandlung mit L-Thyroxin oft nur schwer rückgängig gemacht werden kann.

Betroffene suchen deshalb nach zusätzlichen Behandlungswegen. Hier kann ein ganzheitlicher Ansatz sinnvoll sein, besonders die Ernährung spielt eine wichtige Rolle.

Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoditis

Bei einer Hashimoto-Thyreoditis zum Beispiel sind auch andere Organe und Systeme im Körper betroffen. Leber und Darm brauchen Unterstützung und Immunsystem und Nebennieren sollten gestärkt werden. Auch andere Hormonsysteme sind häufig in Mitleidenschaft gezogen, denn alles hängt im Organismus miteinander zusammen.

Zu Beginn eines Hashimoto, wenn die Schilddrüse auf Hochtouren läuft, um einen Hormonmangel auszugleichen, kann es hilfreich sein, auf Gluten zu verzichten, um den Darm zu beruhigen und das Immunsystem nicht weiter anzufeuern. Hat sich aber ein Hashimoto bereits manifestiert und aufgrund des zerstörten Gewebes eine Unterfunktion eingestellt, ist ein Glutenverzicht meist nicht mehr nötig. Dies zeigt, dass es wichtig ist, zu ermitteln in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, um dann gezielt und effektiv unterstützen zu können.

Darmgesunde und entzündungsarme Ernährung sowie der Ausgleich von Nährstoffmängeln sind bei Hashimoto unabdingbar. Auch die Mahlzeitenhäufigkeit und die Zusammenstellung auf dem Teller sind bei der Behandlung wichtig. Intervallfasten oder eine Low-Carb-Ernährung, beides derzeit populäre Ernährungsformen, sind bei Hashimoto ungünstig und verschlechtern die Stoffwechselsituation sogar.

Manche Lebensmittel hemmen die Aufnahme von Thyroxin

Werden Schilddrüsentabletten eingenommen gibt es zusätzlich einiges zu beachten. Viele Lebensmittel hemmen die Aufnahme von L-Thyroxin im Darm. Aus diesem Grund wird empfohlen, 30 Minuten, besser wären sogar 60 Minuten, zu warten bis die nächste Mahlzeit eingenommen wird. Besonders Haferflocken und die darin enthaltenen Beta-Glucane binden Thyroxin wodurch es nicht mehr von der Darmschleimhaut aufgenommen werden kann.

Das spielt auch bei Gesunden eine Rolle, denn Thyroxin, egal ob zugeführt oder natürlich gebildet, durchläuft einen enterohepatischen Kreislauf, wird also im Darm rückresorbiert und über die Leber wieder zur Schilddrüse zurückgeführt. Manche Lebensmittel verhindern die Aufnahme aus dem Darm. Beispielsweise der Genuss von grünem Tee kann bei übermäßigem Verzehr zu Hypothyreose (Unterfunktion) führen. Auch Eisensulfat und Calciumsupplemente vermindern die Thyroxinresorption.

Deutschland ist Jodmangelgebiet

Es gibt einige Ursachen, die unsere Schilddrüse schädigen und beeinträchtigen können. Umweltfaktoren, Rauchen, Stress, vor allem leben wir in einem Jodmangelgebiet, weshalb eine ausreichende Zufuhr von Jod oft nicht gewährleistet ist. Die WHO empfiehlt 150 µg Jod pro Tag, für Schwangere und Stillende gelten höhere Empfehlungen. Besonders gefährdet für einen Jodmangel sind Veganer, Vegetarier, Milchallergiker und Menschen, die keinen Seefisch essen und kein Jodsalz verwenden. Die Schilddrüse ist auf die regelmäßige Aufnahme von Jod aus der Nahrung angewiesen, um Hormone produzieren zu können. Ein Mangel führt langfristig und unbehandelt zu einem Jodmangelstruma (Kropf) und einer Unterfunktion. Deshalb empfiehlt die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) 1-2 x pro Woche Seefisch und regelmäßig, am besten täglich Milch oder Milchprodukte zu verzehren, da das Futter der Kühe mit Jod angereichert wird (außer bei Biobetrieben). Es empfiehlt sich zudem die Verwendung von jodiertem Speisesalz im Haushalt und die Beachtung der Zutatenlisten. Greifen Sie zu Lebensmitteln, die mit Jodsalz angereichert sind, was sich leicht in der Zutatenliste erkennen lässt. Algen und Algenpräparate als Nahrungsergänzung hingegen bergen ein unkalkulierbares Risiko, da die Jodgehalte sehr stark variieren und bei stark erhöhter Aufnahme eine Überfunktion der Schilddrüse provozieren können.

Einige Substanzen in Lebensmitteln hemmen sogar die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse. Diese strumagenen Substanzen sind z. B. in nativem Raps- und Hanföl enthalten, in Kohl, Mais, Hirse, Soja und Süßkartoffeln. Auch manche Heiltees enthalten sie und können bei regelmäßigem Konsum die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Auch der Mangel an Selen, Zink, Eisen, Vitamin B12 hat langfristig diesen Effekt durch die Bildung eines unwirksamen Hormons (reverse T3), das die T3-Rezeptoren blockiert und damit die Schilddrüsenhormone unwirksam macht.

Ernährungsberatung kann die Therapie unterstützen

So komplex, wie die Funktion der Schilddrüse selbst und die Wirkung der Schilddrüsenhormone auf den Organismus, so knifflig ist auch die Therapie. Viele Einflussfaktoren müssen beachtet werden und je nach Erkrankung und Stadium werden andere Empfehlungen gegeben. Für den Laien ist es gar nicht so leicht den Durchblick zu behalten. Daher kann eine professionelle Ernährungsberatung sehr hilfreich sein.

Bei Interesse und wenn Sie das Gefühl haben mit Medikamenten allein nicht ausreichend behandelt zu sein oder sich durch die häufig widersprüchlichen Empfehlungen nicht zurechtfinden, dann freue ich mich, wenn Sie sich an mich wenden. Mit Ihnen gemeinsam finde ich eine für Sie passende Ernährung, die Erkrankung, Alltag und Ihre Lebenssituation berücksichtigt.